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Wie Faszien deinen Core steuern
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Wie Faszien deinen Core steuern – und warum das dein Training verändert: Viele Menschen trainieren ihren Core mit Crunches, Planks oder Kraftübungen – und trotzdem fühlen sie Instabilität, Rückenschmerzen oder fehlende Spannung im Alltag. Der Grund: Der Core funktioniert nicht isoliert. Erst das Zusammenspiel aus Faszien, Atmung und tiefer Rumpfmuskulatur erzeugt echte Stabilität. Dieser Artikel zeigt dir, wie dieses System wirklich arbeitet – und wie du es gezielt trainierst.

Core verstehen: Anatomie, Funktion & fasziale Steuerung

Der Begriff Core umfasst weit mehr als die sichtbare Bauchmuskulatur. Gemeint ist das tiefliegende muskuläre und fasziale Stabilitätssystem rund um Wirbelsäule, Becken und Rumpf. Entscheidend sind vier Kernstrukturen:

  • Transversus abdominis: tiefste Bauchmuskelschicht, wirkt wie ein innerer „Gürtel“
  • Multifidi: tiefe Rückenmuskeln entlang der Wirbelsäule
  • Beckenboden: unterstützt Druckmanagement & Stabilität
  • Zwerchfell: zentral für Atmung, Druckausgleich & Core-Aktivierung

Diese Muskeln funktionieren nicht als Einzelspieler, sondern als Teil eines myofaszialen Netzwerkes. Die Faszien verbinden alle Strukturen miteinander und übertragen Kraft, Spannung und Bewegungsimpulse. Sie wirken wie ein dreidimensionales Spannungsnetz, das den Core stabilisiert – ganz unabhängig davon, ob du gerade aktiv trainierst oder dich im Alltag bewegst.

Wichtig: Wenn Faszien verklebt, überlastet oder zu wenig elastisch sind, kann selbst ein starker Core nicht effizient arbeiten. Deshalb brauchen Menschen oft nicht „mehr Kraft“, sondern ein klügeres Zusammenspiel aus faszialer Dynamik, Atmung und stabilisierender Aktivierung.

Die hohe Bedeutung der Faszien zeigt sich auch in modernen Trainingsansätzen aus Physiotherapie, Sportwissenschaft und Medical Fitness: Sie betrachten Stabilität nicht als reine Muskelkraft, sondern als Fähigkeit zur koordinierten, elastischen Spannung – und genau das entsteht im Faszien-Core-System.

Die Mechanismen dahinter: Warum Faszien den Core steuern

Faszien gelten heute als zentrales Organ der Kraftübertragung und Körperwahrnehmung. Sie verbinden die Core-Strukturen nicht nur mechanisch, sondern steuern auch Reaktionsgeschwindigkeit, Bewegungsfluss und Spannungsaufbau. Drei Mechanismen sind besonders entscheidend:

1. Myofasziale Leitbahnen

Faszien bilden funktionelle Linien, die den gesamten Körper verbinden – bekannt als Faszialketten. Die wichtigsten für den Core:

  • Anterior Deep Front Line: verbindet Zwerchfell, Beckenboden, tiefe Bauchmuskeln
  • Posterior Oblique Line: verbindet Rückenfaszien, Gesäß & Hüftstabilisatoren
  • Lateral Line: stabilisiert Flanken, Rippen & Becken

Wenn diese Linien elastisch und gut gleitfähig sind, kann der Core stabilisieren, ohne dass du „hart anspannst“. Sind sie verklebt oder starr, kompensiert der Körper oft mit Verspannungen im unteren Rücken oder im Becken.

2. Faszien als Kraftüberträger

Muskelkraft wirkt nur dann effektiv, wenn sie übertragen werden kann. Die Faszien organisieren diese Kraftübertragung durch das sogenannte Tensegrity-Prinzip: Ein System aus Zug- und Druckkräften hält den Körper stabil, ohne starre Muskelkontraktionen.

Das bedeutet: Selbst leichte Bewegungen können starke Stabilität erzeugen, wenn die Faszien gut trainiert sind.

3. Nervensystem & Propriozeption

Faszien sind reich an Sensoren. Sie liefern dem Gehirn Informationen über Spannung, Position und Bewegung. Wenn diese Sensorik gut funktioniert, aktiviert sich der Core automatisch – ohne dass du bewusst daran denkst.

Besonders wichtig ist die Verbindung zur Atmung: Zwerchfell und Beckenboden bewegen sich wie ein „hydraulisches Team“. Ist die Atemmechanik eingeschränkt, leidet die Core-Funktion.

4. Warum Krafttraining allein nicht reicht

Viele Menschen trainieren ihren Core rein muskulär – Planks, Sit-ups, Bauchgeräte. Doch ohne fasziale Dynamik entstehen:

  • Rückenschmerzen trotz starkem Core
  • starre Körpermitte ohne funktionelle Stabilität
  • Überlastung im Beckenboden durch falsches Druckmanagement
  • ausbleibende Fortschritte in Kraft und Ausdauer

Erst die Kombination aus Elastizität + Atmung + Aktivierung bringt den Körper in eine wirklich stabile Funktion.

Core Faszien Training mit Verbindung
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Praxis: Faszien & Core richtig trainieren

Jetzt, wo klar ist, wie eng Faszien und Core zusammenarbeiten, geht es um die praktische Anwendung. Effektives Core-Training bedeutet nicht starre Anspannung, sondern eine dynamische Kombination aus Atmung, faszialer Elastizität und gezielter Aktivierung der tiefen Rumpfmuskeln. Genau dieses Zusammenspiel sorgt dafür, dass sich dein Core im Alltag stabil, reaktionsschnell und gleichzeitig geschmeidig anfühlt.

1. Die 3-Säulen-Methode (Faszien × Core × Atmung)

  • Fasziale Elastizität: federnde, schwingende Bewegungen, dynamische Dehnungen, weiche Übergänge.
  • Core-Aktivierung: tiefste Muskelschichten ansteuern, ohne global zu verspannen.
  • Atmung: Zwerchfell & Beckenboden synchronisieren → verbessertes Druckmanagement.
Uli Pötter
Ulis Tipp: Starte jedes Core-Training mit 60 Sekunden sanftem Federn, Schwingen oder „Body Bouncing“. Das aktiviert die Faszien sofort – dein Körper arbeitet danach leichter und stabiler.

2. Die 5 besten Übungen für Faszien & Core

  1. Cat-Waves (Wirbelsäulen-Wellen)
    Fließende Wellenbewegungen von Becken bis Kopf. Perfekt für die Rückenfaszien und die automatische Core-Aktivierung.
  2. Beckenboden-Flow im Sitz
    Beim Einatmen lösen, beim Ausatmen sanft anheben. Danach kreisende Beckenbewegungen → verbessert Core-Dynamik und fasziale Gleitfähigkeit.
  3. Diagonal-Lifts im Vierfüßlerstand
    Arm und Bein diagonal heben, 3 Sekunden stabil halten. Aktiviert Tiefe Core-Muskeln + hintere Faszienlinien.
  4. Faszien-Stretch „Lateral Line“
    Große Seitdehnung mit federnden Impulsen. Öffnet die Flanken, entlastet die Rippenfaszien und stabilisiert das Becken.
  5. Elastische Kniebeuge
    Kleine federnde Squats + Beckenboden-Aktivierung beim Hochkommen → perfekt für Alltagstransfer.

3. Typische Fehler & wie du sie vermeidest

  • Zu statisch trainieren: Faszien brauchen Dynamik, nicht Dauerspannung.
  • Halten statt atmen: Falsche Atemtechnik erhöht Druck im Bauchraum → Beckenboden leidet.
  • Kein Release: Ohne Entspannung keine elastische Kraftübertragung.
  • Falsche Reihenfolge: Wahrnehmung → Aktivierung → Intensität. Immer!

Weiterführende Artikel

Weiterführend: Beckenbodentraining – effektive Übungen & Anleitung · Faszientherapie in Hohen Neuendorf – Behandlung & Prävention

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Seriöses, thematisch passendes Video:

Uli Pötter
Ulis Tipp: Alle 4–6 Wochen solltest du deine Core-Fortschritte testen: Kannst du tiefer atmen? Spürst du die Aktivierung schneller? Wird dein Rücken im Alltag stabiler? Fortschritte bewusst wahrzunehmen ist der stärkste Motivator.

Fazit

Faszien und Core sind kein getrenntes System – sie arbeiten wie zwei Seiten derselben Medaille. Wenn du beide zusammen trainierst, entsteht eine Körpermitte, die elastisch, stabil und belastbar ist. Das verbessert nicht nur dein Training, sondern jede Alltagssituation: Stehen, Heben, Atmen, Gehen, Laufen. Ein smarter Core ist immer eine fasziale Einheit – und genau so solltest du ihn trainieren.

Quellen & weiterführende Literatur

  • Schleip, R. (2014): Faszien – Gewebe des Lebens. Springer.
  • Myers, T. (2020): Anatomy Trains. Elsevier.
  • Hodges, P. (2019): Core Stability & Neuromotor Control. Journal of Orthopaedic Research.
  • National Library of Medicine – Fascia Research (Übersichtsarbeiten).

Über den Autor

Ulrich Pötter

Ulrich Pötter

( Gründer & CEO )

Der Autor Ulrich Pötter ist staatlich anerkannter Therapeut, Präventionsexperte und seit über 25 Jahren in der Branche aktiv tätig. Er hat neben den FASZINIEREND Praxen fünf Bildungsakademien gegründet, bei denen er auch heute noch Direktor/CEO ist. Mehr als 20.000 Absolventen aus ganz Europa haben bisher seine Lehrgänge besucht und seit vielen Jahren ist er zudem exklusiver Ausbildungspartner bei der KLETT-Gruppe, Deutschlands führender Fernschulen, und gibt dort seine langjährige Erfahrung & Expertise in den Bereichen Faszien, Wirbelsäule, Schmerzen, Therapie, Medical Fitness, MTT, Massage, Wellness, Ernährung und Prävention an Interessierte Menschen und Therapeuten weiter.

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